A. Schmidt
Und es geht doch !?
Link to English text
Der folgende Artikel möchte zu einer erneuten Diskussion
über den zweiten
Hauptsatz der Thermodynamik anregen.
Als Ausgangspunkt wird das theoretische
Modell eines Perpetuum mobile zweiter
Art herangezogen. Hiervon ausgehend
wird der Einfluß von irreversiblen
Elementarprozessen auf die Lage von chemischen
Gleichgewichten diskutiert.
Bei der Konstruktion eines Perpetuum mobile zweiter
Art geht man davon aus, daß
Energie nicht verloren gehen kann und
die von einem drehenden Rad durch Reibung
abfließende Wärme vollständig
durch Energieumwandlung wieder zurückgeführt
werden kann. Diesem Prinzip steht
allerdings der zweite Hauptsatz der Thermodynamik
entgegen, der hierbei besagt, daß
in einem abgeschlossenen System ein
vollständiger, freiwilliger Energiefluß
von Wärmeenergie (Energieform
höherer Wahrscheinlichkeit)
zur mechanischen Drehbewegung (Energieform
geringerer Wahrscheinlichkeit) unmöglich
ist. Der folgende Vorschlag eines Perpetuum
mobile zweiter Art ( Bild
1 ) möchte diesen
Ausschluß und damit den zweiten Hauptsatz
der Thermodynamik jedoch in Frage stellen.
Bild 1
In dem in
Bild 1 dargestellten
abgeschlossenen System
entsteht über der Wasseroberfläche
eine gesättigte Wasserdampfatmosphäre.
Diese steht jedoch nicht im Gleichgewicht
mit der wäßrigen Lösung
im Zylinder, da der Gleichgewichtsdampfdruck
über der Lösung eines
Stoffes (ohne eigenen Dampfdruck) immer niedriger
ist als der über dem reinen Lösungsmittel.
Hieraus resultiert ein Stoffstrom von der
reinen Wasseroberfläche (unten)
zur wäßrigen Lösung im Zylinder,
wodurch die Säule der Lösung
ansteigt. Dieses hat wiederum zur Folge,
daß der hydrostatische Druck auf die
semipermeable Membran am unteren Ende des Zylinders
ansteigt, bis schließlich der osmotische Druck
der Lösung überwunden wird und ein reiner
Wassertropfen über ein Wasserrad nach unten
fällt. Der Kreisprozeß des Stoff- und
Energiestromes wäre somit vollendet.
Um das Prinzip
dieses "unendlichen" Prozesses zu verdeutlichen,
kann man den Gesamtvorgang in zwei grundsätzlich
verschiedene Stofftransportprinzipien
unterteilen. Im ersten Schritt
erfolgt ein Stoffstrom von unten nach
oben klassisch thermodynamisch nach den Gesetzen
der Statistik, d.h. Wassermoleküle,
die sich nach Verdampfung (unten über
der Wasseroberfläche) frei im Raum bewegen,
füllen den gesamten Raum (also auch
den oberen Bereich) aus. Die Moleküle,
welche in die Lösung des oberen Zylinderabschnitts
übergehen, besitzen dort im Vergleich
zu den unteren Molekülen potentielle
Energie.
Der zweite wesentliche
Schritt erfolgt an der
semipermeablen Membran am unteren
Ende des Zylinders. Der abgepreßte
reine Wassertropfen entzieht sich in einem
irreversiblen
Elementarprozeß (dem freien Fall)
dem oberen Zylindersystem und vollendet den Kreisprozeß.
Eine nach dem gleichen Grundprinzip funktionierende
Apparatur wurde bereits Anfang der Siebzigerjahre
unter der Bezeichnung
Levenspiel's Springbrunnen
veröffentlicht.(
Wer sich mit dem hier beschriebenen Tropftrichter nicht so recht anfreunden
kann, sollte diesen Link unbedingt nutzen. Da dort keine Phasenumwandlungen
zu berücksichtigen sind, ist alles viel einfacher )
. Auch hier verhindern fallende Wassertropfen das
Einstellen eines Gleichgewichtes, welches den Vorgang beenden
würde.
Bei den hier verwendeten Begriffen
reversible
und irreversible
Prozesse (oder Elementarprozesse)
muß noch darauf hingewiesen werden,
daß diese nicht identisch sind mit der thermodynamischen
Beschreibung von reversiblen und irreversiblen
Vorgängen. Die Thermodynamik betrachtet
nur eine sehr große Anzahl von Elementarprozessen
in der Summe, während es in diesem Artikel
nur um den einzelnen Vorgang geht.
Bild 2
In Lehrbüchern
der Thermodynamik wird das Prinzip des
zweiten Hauptsatzes oft an einem
Modell eines zweigeteilten Kastens
(Bild 2) erklärt.
Nimmt man als Ausgangspunkt einen Zustand
an, bei dem sich sämtliche frei beweglichen
Teilchen in der einen Raumhälfte
befinden, so kann man vorhersagen, daß
nach einer gewissen Zeitspanne sich ein dynamisches
Gleichgewicht eingestellt haben wird,
bei dem die Teilchen in etwa gleichmäßig
über beide Raumhälften verteilt sein
werden.
Bild 3
Mit einer leichten Abwandlung
dieses gedanklichen Experimentes kann
man auch den Einfluß eines
irreversiblen Prozesses (Bild
3) auf die Verteilung der frei
beweglichen Teilchen im zweigeteilten
Raum beschreiben. Durch die im Bild
dargestellte bewegliche Klappe können
zwar die Teilchen von der linken Seite
in den rechten Raumteil gelangen, jedoch von dort,
durch den von dieser Seite blockierenden
Mechanismus nicht genau so gut zurück.
Auf diese Weise kommt es ohne äußere Energiezufuhr
zu einer dauerhaften Ungleichverteilung und
damit Entropieabnahme im System.
Bild 4
Setzt man den Gedanken konsequent fort, so kann
man wie oben dargestellt, einen Ausgleich über
ein Umgehungsrohr hinzufügen. Im oberen Rohr ist
der Druck auf der rechten Seite höher als auf
der linken , da sich dort mehr Atome befinden. Auf
diese Weise kann man auf klassischem Weg, mit Hilfe eines
Rades, mechanische Bewegung erzeugen.
Wendet man dieses Prinzip zur Erklärung
auf die oben beschriebene "Tropfmaschine" an, so
ist der fallende Wassertropfen der irreversible "Klappenprozeß"
und die nach oben gehende Diffusion der einzelnen
Wassermoleküle der reversible Elementarprozeß.
Nur ist es dort so, daß die Erzeugung
der Drehbewegung im irreversiblen Bereich des
Systems, am fallenden Tropfen erfolgt.
Bild 5
Im Bild 5 ist ein Schema
für einen praktisch irreversiblen
Reaktionsmechanismus
dargestellt, welcher auf der Grundlage
einer Konformationsänderung eines
Enzyms basiert. Zunächst
binden nacheinander die Moleküle A und
B an das Enzym, welches infolgedessen seine
Konformation ändert. Anschließend
bildet sich eine chemische Bindung zwischen
den nun in günstiger räumlicher
Nähe liegenden Molekülen A und B aus.
Nachdem sich das neu entstandene AB- Molekül
vom Enzym gelöst hat, nimmt dieses
seine ursprüngliche Konformation
wieder an. In diesem Zustand kann es jedoch für
eine mögliche Rückreaktion das
entstandene AB-Produkt nur mit dem einen oder
dem anderen Arm des Enzyms binden. Eine
Rückreaktion über den genau gleichen
Mechanismus ist somit (wenn man die relativ geringe
Wahrscheinlichkeit der spontanen Konformationsänderung
zunächst vernachlässigt) unmöglich,
so daß ein solches Enzym nur die Hinreaktion
beschleunigt. Aus kinetischen Gründen würde
sich damit aber auch die Lage des chemischen Gleichgewichtes
verschieben.
Sucht man im Stoffwechsel von Lebewesen
nach solchen irreversiblen Prozessen,
so kann man die Atmungskette
oder die Lichtreaktion der Photosynthese
diskutieren. Hierbei werden die Elektronen
entsprechend des elektrischen
Potentials von "oben" nach "unten" weitergeleitet.
Ein Elektronenfluß von
"unten" nach "oben" ist innerhalb der Kette
nicht festzustellen. Auch komplexe
Prozesse wie die Proteinbiosynthese an Ribosomen
sind in umgekehrter Reaktionsrichtung nicht
zu beobachten.
Reaktionssysteme
mit irreversiblen Mechanismen
sind somit wegabhängig
und das chemische Gleichgewicht thermodynamisch,
durch bloßen Vergleich
von Ausgangs- und Endprodukten,
nicht zu berechnen. Die Ursache für
die Unberechenbarkeit der Lebewesen durch
die Thermodynamik wäre im Wesentlichen
nicht darin zu sehen, daß es sich
hierbei um offene Systeme handelt und die Grenzen
des zweiten Hauptsatzes nicht eingehalten werden,
sondern darin, daß irreversible Elementarprozesse
als "Motoren des Lebens" eine Ordnung erzeugen,
welche durch ihre Wegabhängigkeit nicht
vorhersagbar ist. Evolution wäre in diesem
Sinn die wegabhängige Weiterentwicklung
solcher Systeme.
Gästebuch zur Diskussion
Link zu
NEWTONS ROTATIONSEIMER
Kurz URL Adresse dieser Seite:
www.perpetuum05.de
Kontaktadresse: perpetuum05de@email.de
Gratis Counter by GOWEB